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Pendler-Coronastudie der Charité: So reagieren Presse und Netz

Untersuchung zum Infektionsrisiko

Die Pendler*innen-Coronastudie der Charité im Auftrag der Bundesländer und des VDV ist am 10. Mai veröffentlicht worden. Das Ergebnis der Untersuchung: Die regelmäßige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist im Vergleich zum Individualverkehr nicht mit einem höheren Infektionsrisiko verbunden. Reaktionen darauf blieben nicht aus. Wir haben Presse und Netz durchforstet.

Ein Querschnitt der Pressestimmen

„Ansteckungsrisiko in Bus und Bahn gering“ titelt die Süddeutsche Zeitung auf Seite Eins ihrer Dienstagsausgabe und befasst sich über die dpa-Meldung hinaus auch in einem ausführlichen Stück mit der Pendler*innen-Coronastudie der Charité. „Eine Studie sieht für Pendler kein höheres Corona-Infektionsrisiko – zumindest dann nicht, wenn Abstand
gehalten wird“, heißt es dort. Betont wird darüber hinaus auch die Einzigartigkeit der Methodik: „Eine Untersuchung unter Pendlern, die zeigt, wie groß das Ansteckungsrisiko im Nahverkehr wirklich ist, gab es bislang (…) nicht.“

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat die Pendler*innen-Coronastudie der Charité aufgegriffen. „Das Ergebnis dürfte Pendler, Mitarbeiter und Politiker gleichermaßen beruhigen“, schreibt Autor Jan Hauser und lässt auch nochmal Maike Schaefer, Bremer Mobilitätssenatorin und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, zu Wort kommen:
„Wenn man zuhause mit bekannten Menschen beim Kaffeetrinken ohne Maske drinnen zusammensitzt, geht man ein höheres Infektionsrisiko ein, als wenn man mit Fremden in der Bahn fährt.“

In einem Audiobeitrag für das Ressort Umwelt & Verbraucher vom Deutschlandfunk erklärt Journalistin Katharina Thoms derweil: „Was besonders ist: Es ist in Echtzeit, im echten Leben sozusagen, getestet worden und nicht im Labor.“ Thoms betont, dass zur Zeit der Studie strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln im ÖPNV galten. Auch die Auslastung war nicht ganz so hoch wie vor der Coronazeit. Im Hinblick auf die Übertragbarkeit erklärt die Journalistin aber: „Im Moment ist es ja so: Wir haben mehr Impfungen, die dritte Welle ebbt langsam ab. Also die Situation verbessert sich insgesamt eher.“ Die Maßnahmen vernachlässigen sollen Verkehrsunternehmen und Fahrgäste vor diesem Hintergrund aber nicht.


Im Hessischen Rundfunk wurde die Pendler*innen-Coronastudie der Charité in die Liste bereits vorhandenen Untersuchungen eingereiht. Auch aus diesen ging der ÖPNV nicht als Corona-Hotspot hervor. Als Erklärung werden die Hygienevorschriften genannt: vor allem die Maskenpflicht, aber auch Maßnahmen wie Klimaanlagen und Lüftungen sowie die in der Regel kurze Fahrtzeit.

Die Untersuchung der Charité hat es sogar über die Grenzen geschafft. „Ansteckungsgefahr für Pendler im öffentlichen Nahverkehr nicht grösser als im Privatauto“, titelt die Neue Züricher Zeitung. Im Artikel selbst heißt es auf die Frage nach den Ansteckungsorten: „Es ist natürlich nicht gesagt, wie viele der in den fünf Wochen aufgetretenen Infektionen nun tatsächlich im Bus oder in der Bahn erfolgten. Doch da es in der ÖV-Gruppe insgesamt nicht mehr waren als in der Kontrollgruppe, ist sicher, dass Fahrten mit Bus und Bahn keine Treiber der Pandemie sind.“

Das sagen Nutzer*innen im Netz

Thema war die Pendler*innen-Coronastudie auch in den sozialen Medien. Dort wurden die Ergebnisse geteilt, geliket – und auch kommentiert. „Die Gefahr einer Coronavirus-Infektion ist im öffentlichen Nahverkehr nicht höher als etwa im eigenen Auto!“, schreibt etwa ein User auf Twitter.


Ein weiterer Nutzer schließt aus den Ergebnissen der Pendler*innen-Coronastudie: „Und wieder eine Ausrede weniger, den #ÖPNV zu meiden.“


Dass Fahrgäste nun mit gutem Gefühl in Bus und Bahn steigen können, merken die Berater*innen von Mobile Zeiten an: „Dann sind ja wohl alle Zweifel ausgeräumt, dass Verkehrsmittel des ÖPNV #Virenschleudern sind.“

Zur Corona-Pendlerstudie der Charité

Für die unabhängige epidemiologische Studie hat die Research Organisation der Berliner Charité seit Februar 2021 über vier Wochen lang insgesamt 681 freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 16 bis 65 Jahren im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) begleitet.

Die Teilnehmer*innen wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt: Während eine auf dem Weg zu Arbeit, Schule und Co. ausschließlich zu Fuß, mit dem Rad oder im Auto unterwegs war, nutzte die andere Gruppe ausschließlich Bus und Bahn. Das Ergebnis: In dem Zeitraum haben sich 12 von 328 Menschen in Bus und Bahn angesteckt, was einem Wert von 3,5 Prozent entspricht. Bei denjenigen, die Auto oder Fahrrad nutzten, gab es bei 337 Personen 14 positiv getestete (4,3 Prozent). Das Ergebnis der Studie: Für alle mobilen Menschen ist das Infektionsrisiko gleich hoch – unabhängig davon, ob sie mit Bus und Bahn oder mit Pkw und Rad unterwegs sind.