Verkehrsunternehmen fordern gestaffelten Unterrichtsbeginn

Verkehrsunternehmen fordern gestaffelten Unterrichtsbeginn

Kleine Maßnahme mit großer Wirkung

Abstandhalten im Klassenzimmer, aber Gedränge auf dem Weg zur Schule: Um den morgendlichen Andrang in den Schulbussen zu reduzieren, fordert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) einen gestaffelten Unterrichtsbeginn überall dort, wo das möglich und nötig ist.

Die Herbstferien sind erst kürzlich zu Ende gegangen. Für den öffentlichen Verkehr bedeutet das: Durch die Schüler und Schülerinnen füllen sich Busse und Bahnen wieder – und auch während des Lockdown Light im November bleiben die Schulen offen und der Schülerverkehr damit bestehen.

Die Kapazitäten von Verkehrsunternehmen sind sowohl hinsichtlich Fahrer und Fahrerinnen als auch ihrer Fahrzeuge allerdings nicht unendlich. Die Verkehrsunternehmen setzen bereits das volle Angebot an Bus und Bahn ein, erklärt VDV-Präsident Ingo Wortmann im Gespräch mit der Funke Mediengruppe: „Es fährt alles, was fahren kann.“

Eine Möglichkeit, um dem Andrang am Morgen entgegenzuwirken und den Schülerverkehr zu entzerren, bildet der gestaffelte Unterrichtsbeginn. Zusätzlicher Raum fürs Abstandhalten wird geschaffen. Genau dafür plädiert nun der Branchenverband VDV.

Mehr Platz in Bus und Bahn

VDV-Präsident Ingo Wortmann schlägt vor: „Die Beeinträchtigung des Schulbetriebes wäre minimal, wenn die jüngeren Kinder gegen 8 Uhr starten würden und die älteren zeitversetzt.“ Für den öffentlichen Verkehr wäre der Effekt dieser Corona-Maßnahme enorm. Wortmann zufolge würde der Platz in den Fahrzeugen „sofort um mindestens 20 Prozent steigen.“

VDV appelliert an Ministerien und Behörden

Um die Corona-Maßnahme umzusetzen, gilt es, zusammenzuarbeiten. Der VDV appelliert daher an Ministerien und Behörden, sich mehr mit der Schülerbeförderung auseinandersetzen. Zwar gäbe es bundesweit durchaus schon gute Beispiele, wo die Zusammenarbeit zwischen Verkehrsunternehmen und zuständigen Ämtern bzw. Schulträgern diesbezüglich gut funktioniere, aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle sei das noch nicht so: „Die Planungen enden dort zu oft am Schultor und scheitern an verschiedenen Zuständigkeiten. Das löst aber die tatsächlichen Kapazitätsprobleme bei der Schülerbeförderung nicht“, so Ingo Wortmann.

Gestaffelter Schulbeginn in Mainz

Gestaffelter Unterrichtsbeginn steht in Mainz bereits auf dem Programm. Die Mainzer Mobilität arbeitet im Rahmen ihrer Corona-Maßnahmen bereits mit ortsansässigen Schulen zusammen.

Um den Schülerverkehr zu entlasten, setzten mit Beginn des Schuljahres 2020/2021 einige Schulen in der Landeshauptstadt den gestaffelten Unterrichtsbeginn um – zum Beispiel die Maria-Ward-Schule und das Bischöfliche Willigis-Gymnasium, die sich in der Mainzer Altstadt unmittelbar nebeneinander befinden. In beiden Schulen begann der Unterricht ursprünglich um 8 Uhr. Seit Ende der Sommerferien startet das Bischöfliche Willigis-Gymnasium bereits um 7.50 Uhr, die Maria-Ward-Schule um 8.10 Uhr. Teilweise gibt es in Mainz auch Schulen, die intern gestaffelte Unterrichtszeiten haben.

Auch Herne setzt auf Staffelung

Ab dem 16. November steht auch in Herne zeitversetzter Unterrichtsbeginn an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien auf dem Programm. Die Regelungen gelten für die Klassen 5 bis 10. Der Unterrichtsbeginn liegt je nach Schulform zwischen 7:45 Uhr und 8:45 Uhr. Der Schülerverkehr wird auf diese Weise entlastet. Die Stadt Herne, die Straßenbahn Herne – Castrop-Rauxel GmbH (HCR) und die Schulleitungen haben das Konzept zum gestaffelten Schulstart seit August in enger Abstimmung entwickelt.