Sicher Bus und Bahn fahren: Schweigen ist Gold

Sicher Bus und Bahn fahren: Schweigen ist Gold

Interaktionen und Infektionsrisiko

Zu ihrer eigenen Sicherheit und der ihrer Mitmenschen können Fahrgäste zahlreiche Maßnahmen ergreifen. Neben der Maskenpflicht und dem Händewaschen nimmt auch Schweigen Einfluss auf das Infektionsrisiko. Inwiefern, das erklären wir hier.

Seit Beginn der Coronapandemie haben Verkehrsunternehmen zahlreiche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen aufgefahren. Abgesehen davon sind auch Fahrgäste selbst gefragt. Gemeint sind damit Hygieneregeln, wie sich nicht ins Gesicht zu fassen, eine gute Handhygiene zu beachten, die Hust- und Nies-Etikette zu wahren und eine Maske zu tragen.

Es gibt darüber hinaus auch andere Faktoren, die das Ansteckungsrisiko reduzieren, die aber nicht jeder auf dem Schirm hat. Dazu gehören mitunter das leise Sprechen und das Schweigen. Hintergrund: Das Coronavirus wird vorwiegend über die Tröpfcheninfektion übertragen. Tröpfchen und Aerosole treten nicht nur beim Husten und Niesen aus, sondern auch beim Sprechen. In Bus und Bahn werden diese durch das Tragen von Masken reduziert. Der Ausstoß ist abermals reduziert, wenn Fahrgäste leise oder gar nicht sprechen.

Interaktionen nehmen Einfluss auf das Infektionsrisiko

Die Wirkung, die Sprechen beziehungsweise Schweigen in Coronazeiten hat, zeigt auch eine Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde. Die Untersuchung von Wissenschaftlern aus Oxford hat sich mit dem Abstandhalten als effektive Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus genauer befasst. In diesem Zusammenhang wurde auch der Austritt von Aerosolen und Tröpfchen untersucht und welche Verhaltensweisen diesen begünstigen.

In der folgenden Abbildung werden unterschiedliche Szenarien miteinander verglichen. Es fließen Faktoren mit ein, wie die Personendichte, ob Masken getragen wurden sowie die Qualität der Belüftung. Gegenübergestellt wurde in diesen Settings Schweigen, Sprechen sowie Singen und Schreien. Das Ergebnis: Das Übertragungsrisiko ist beim Schweigen am geringsten, beim Sprechen etwas höher und beim Singen und Schreien am höchsten.

Grafik einer britischen Studie zum Thema Abstandhalten in Coronazeiten
Studie verglicht Schweigen, Sprechen, Singen und Schreien. © BMJ 2020;370:m3223

Durch lautes Reden kann sich das Coronavirus verbreiten

Dass sich das Coronavirus über das Sprechen verbreitet, zeigt auch eine Studie von Wissenschaftlern vom Nationalen Institut für Diabetes, Verdauungs- und Nierenkrankheiten (NIDDK) in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland und der University of Pennsylvania. Die Forscher haben neben anderen Krankheiten auch die Übertragbarkeit von Covid-19 untersucht und überprüft, wie viele Tröpfchen beim Sprechen ausgestoßen werden und wie sich diese dann bewegen. Das Ergebnis: Allein eine Minute lautes Reden kann 1.000 virushaltige Tröpfchen erzeugen, die acht Minuten in der Luft bleiben. Im Umkehrschluss heißt das auch, dass durch Schweigen virushaltige Tröpfchen zurückgehalten werden.

Was bedeutet das für den ÖPNV?

Für Busse und Bahnen bedeutet das, dass das Infektionsrisiko unter anderem deshalb nicht erhöht ist, weil es im ÖPNV nicht zu intensiven Interaktionen zwischen den Fahrgästen kommt.

Genau das hat auch schon RKI-Präsident Lothar Wieler betont, als dieser im Rahmen einer Pressekonferenz Ende Oktober häufige Infektionsumfelder vorgestellt hat. Der ÖPNV geht darin nicht als Corona-Hotspot hervor. Wieler erklärte in Abgrenzung zum Privatbereich unter anderem: „Wenn man intensiv zusammensitzt, intensiv diskutiert, lacht und fröhlich ist, dann ist natürlich diese Chance viel größer, dass ein Virus sich dann ausbreitet, wenn eine infizierte Person darunter ist. Es ist deshalb plausibel, dass wir zum Beispiel im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel bislang ganz wenig Signale haben. Wenn Sie selber mit U- oder S-Bahn unterwegs sind oder im Zug sitzen, interagieren die Menschen dort ja in der Regel nicht, sondern sie befassen sich mit sich selber. Es wird nicht viel gesprochen. Man liest vielleicht einen Text oder träumt durch die Gegend oder hört einen Podcast.“

Dort, wo Menschen gerne zusammenkommen und sich auch kennenlernen wollen, ist die Interaktion intensiver, die Verweildauer länger, der Ausstoß von potenziell infektiösen Aerosolen höher und damit auch das Ansteckungsrisiko größer. Genau das zeigt auch eine Simulation vom Riken Institute in Japan.

Und was heißt das für Fahrgäste?

Mit der Corona-Pandemie bekommt das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ eine ganz neue Bedeutung. Wer Bus und Bahn fährt, sollte nicht nur auf die gängigen Hygieneregeln achten, sondern tut auch gut daran, intensive Interaktionen zu vermeiden – sowohl dann, wenn Fahrgäste mit anderen unterwegs sind, als auch dann, wenn ÖPNV-Nutzer oder -Nutzerinnen alleine fahren. Denn, sofern überhaupt gestattet, kann auch das Telefonieren dazu beitragen, dass Aerosole ausgestoßen werden. Vom Telefonieren sollten Fahrgäste daher absehen und stattdessen lieber einen Messenger während der Fahrt nutzen.