Mit digitalen Helfern mobil in Coronazeiten

Mit digitalen Helfern mobil in Coronazeiten

Neue Apps für Bus und Bahn

In Zeiten der Corona-bedingten Hygiene- und Abstandsregeln gewinnt die Digitalisierung einmal mehr an Fahrtwind. Wir stellen in diesem Beitrag vor, wie digitale Anwendungen helfen können, der Verbreitung des Virus im ÖPNV entgegenzuwirken.

Vor der Coronakrise pendelten mehrere Millionen Menschen tagtäglich mit Bus und Bahn zur Arbeit. Hygiene im ÖPNV war deshalb schon immer wichtig, um die Gesundheit der Fahrgäste zu schützen. Denn nicht nur Corona, auch grippale Infekte oder die echte Grippe werden über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen. Das neue Virus freilich verlangt nach mehr. Die öffentlichen Verkehrsunternehmen haben deshalb in kürzester Zeit neue Hygienekonzepte zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihrer Fahrgäste umgesetzt. Dabei gewinnen auch praktische, digitale Anwendungen an Bedeutung. Im Fokus stehen hier der kontaktlose Ticketkauf per App sowie digitale Halteknöpfe.

Wie kaufe ich meine Tickets? Mehr Service mit nextTicket 2.0

Die voranschreitende Digitalisierung macht für Fahrgäste viele Handgriffe aus dem ÖPNV früherer Zeiten überflüssig. Webbasierte Mobilitätsplattformen und Apps ermöglichen einen digitalen Zugriff auf alle Services. Inzwischen lassen sich Fahrten mit Bussen und Bahnen problemlos planen. ÖPNV-Kunden können darüber hinaus auf viele verschiedene Mobilitätsangebote wie Car- oder Bikesharing zugreifen. Und auch der Kauf von Tickets ist vor Fahrtantritt problemlos möglich. Man erspart sich die Auseinandersetzung mit dem Ticketautomaten an der Haltestelle und es besteht keine Notwendigkeit, Tasten und Bildschirm zu berühren.

Einen Schritt weiter in Sachen komfortables ÖPNV-Reisen macht zurzeit der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit dem Markttest der App nextTicket 2.0. Neben dem kontaktlosen Ticketkauf ermöglicht diese App einen beispielhaften „Rundum-Sorglos-Service“. Das nextTicket-Hintergrundsystem erfasst die Fahrten bzw. Fahrtenketten auf Basis der zurückgelegten Luftlinienkilometer und rechnet diese automatisiert mit dem Kunden ab, sobald er die Fahrt beendet. Der eTarif setzt sichzusammen aus einem Festpreis in Höhe von 1,40 Euro sowie einem Leistungspreis von 0,26 Euro pro angefangenem Luftlinienkilometer. Eine preisliche Ausrichtung an den Luftlinienkilometern ist nicht nur einfach, sondern aus Sicht des VRR auch die fairste Methode, um einen Fahrpreis zu berechnen. Der Fahrgast zahlt immer nur für die Strecke, die tatsächlich in Anspruch genommen wurde. Das Rätseln am Ticketautomaten darüber, welches Ticket für welche Preiseklasse gekauft werden muss, gehört so der Vergangenheit an.

Wie meide ich Kontaktflächen? Mit dem digitalen Halteknopf

Auch beim digitalen Ticketkauf müssen in Bussen und Bahnen quasi notgedrungen Flächen der Haltewunsch-Knopf berührt werden. Schließlich müssen Fahrer oder Fahrerin wissen, wo der Fahrgast aussteigen will. In vielen Zügen des Regionalverkehrs sowie in Straßen- und U-Bahnen ist es seit Corona- gängig, dass an jeder Haltestelle alle Türen automatisch geöffnet – soweit das technisch möglich ist. Dazu kommt, dass gerade im innerstädtischen Busverkehr ein automatischer Halt an jeder Haltestelle, ohne den Aus- oder Zustieg von Fahrgästen, die Fahrzeit unnötig verlängern würde. Die Ruhrbahn in Essen hat daher in ihrer unternehmenseigenen App „ZÄPP“ eine Funktion implementiert, mit der die Fahrgäste den Halteknopf in allen Bussen und Bahnen des Unternehmens digital drücken können. Fahrgäste reduzieren mittels der App Berührungen von Haltewunschtasten im Fahrzeug und tragen so dazu bei, die Übertragung des Coronavirus und anderen Viren zu mindern.

Das Feature des digitalen Halteknopfs ist Bestandteil der Systemlösung ivanto, entwickelt vom Dortmunder Unternehmen GeoMobile. Sie umfasst unter anderem eine Fahrplan-App für Smartphones sowie ein Flottenmanagementportal für Verkehrsunternehmen. Via Bluetooth-Infrastruktur zwischen den Fahrzeugen des ÖPNV und der App ist es möglich, den Haltewunsch am eigenen Smartphone auszulösen. Neben der Ruhrbahn nutzen bereits viele weitere Verkehrsunternehmen diese Komplettlösung mit unterschiedlichen Features, unter anderem die BOGESTRA in Bochum, die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH im Kreis Soest und die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna mbH.

Wie voll ist mein Bus? Fahrtenplanung mit Google Maps

Überfüllte Fahrzeuge? Selbst für angestammte Bus- und Bahnkunden ist das in Coronazeiten ein Grund, den öffentlichen Verkehr eher zu meiden. Nun soll das Covid-19-Update von Google Maps Berufspendlern helfen, in Bussen und Bahnen Abstand zu halten. In einzelnen Ländern wurde das Update bereits integriert. In Deutschland soll es in den nächsten Wochen an den Start gehen. Und so soll die Fahrtenplanung mit Google Maps künftig funktionieren: In der Routenplanung zeigt Google Maps schon an, ob sich zurzeit viele Menschen an Haltestellen und Stationen aufhalten und wie stark die dortigen Bus- oder Bahnlinien gerade genutzt werden. Nutzer können in Google Maps ihre Bus- oder Bahnhaltestelle suchen oder in der Karte darauf klicken, um aktuelle Abfahrtszeiten zu sehen und wie voll es gerade dort ist. Die Funktion zeigt allerdings erst Wirkung, wenn eine ausreichende Zahl von Fahrgästen den Standortverlauf bei Google Maps aktiviert haben, damit eine repräsentable Datenmenge an Standortinformationen vorliegt. Der Schutz der Privatsphäre wird Google zufolge geschützt, weil das Bewegungsverhalten anonymisiert ist. Google-Nutzer erhalten zudem die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zur Reisesituation über eine Button-Funktion zu teilen. Neben Informationen zur Auslastung werden darüber auch Erfahrungswerte zur Barrierefreiheit von Haltestellen abgefragt. Das kann Fahrgästen mit Mobilitätseinschränkungen die Reiseplanung erleichtern.

Obwohl das Smartphone ein praktischer Begleiter ist, der die Fahrt mit dem ÖPNV sicherer und angenehmer gestalten kann, sollte die Nutzung unbedingt leise geschehen. Einerseits, um andere Fahrgäste nicht zu stören – vor allem aber, weil beim Aufnehmen von Sprachnachrichten oder dem Telefonieren Aerosole mit hohem Ansteckungspotenzial ausgestoßen werden. Deshalb lieber: News lesen, Musik oder Hörbuch über die Kopfhörer laufen lassen und eine Nachricht schreiben, falls dringend jemand kontaktiert werden muss.